Rückkehr ist mehr als ein Verwaltungsakt
In politischen Debatten steht das Thema Rückkehr meist im Zusammenhang mit Abschiebungen. Weniger sichtbar ist der Bereich der freiwilligen oder akzeptierten Ausreise. Dabei gilt sowohl nach geltendem EU-Recht als auch nach künftigen Regelungen, dass vor einer zwangsweisen Rückführung grundsätzlich eine freiwillige Ausreise ermöglicht werden soll.
Für die betroffenen Menschen ist eine Rückkehrentscheidung selten einfach. Viele leben seit Jahren in Deutschland. Sie und ihre Kinder sind hier sozial und gesellschaftlich verankert. Eine Rückkehr bedeutet für sie einen tiefen biografischen Einschnitt. Umso wichtiger ist es, dass Entscheidungen informiert, selbstbestimmt und mit realistischen Perspektiven getroffen werden können.
Was leistet unabhängige Rückkehrberatung?
Rückkehrberatung begleitet Ratsuchende in einem ergebnisoffenen Prozess. Sie ist freiwillig, unabhängig von staatlichen Rückkehrentscheidungen und stellt den Menschen mit seiner individuellen Lebenssituation in den Mittelpunkt. Ziel ist es, tragfähige Perspektiven für eine Reintegration im Herkunftsland zu entwickeln und, wenn möglich, in bestehende Förderprogramme zu vermitteln.
Gerade vulnerable Gruppen wie Familien mit Kindern, traumatisierte Personen oder Menschen mit schweren Erkrankungen benötigen dabei besondere Aufmerksamkeit und Zeit für eine sorgfältige Vorbereitung.
Warum klare Rahmenbedingungen entscheidend sind
Nachhaltige Rückkehr braucht verlässliche rechtliche und finanzielle Strukturen. Dazu gehören angemessene Fristen für eine freiwillige Ausreise, ausreichend ausgestattete unabhängige Beratungsstellen sowie Förderprogramme, die freiwillige Entscheidungen stärken statt Druck auszuüben.
Der freiwilligen oder akzeptierten Ausreise sollte stets Vorrang vor einer zwangsweisen Rückkehr eingeräumt werden. Sie ist humaner und stellt Menschenwürde und Sicherheit in den Vordergrund. Eine holistische Rückkehrberatung ermöglicht in der Regel eine bessere Vorbereitung und erhöht die Chancen auf eine solide nachhaltige Reintegration.
Weitere Hintergründe, rechtliche Entwicklungen auf EU-Ebene sowie konkrete Empfehlungen zur Stärkung der freiwilligen Rückkehr haben der Deutsche Caritasverband und das Raphaelswerk in einem gemeinsamen Eckpunktepapier zusammengefasst.
Das vollständige Eckpunktepapier können Sie hier herunterladen.