,,Ohne das Raphaelswerk wäre mein Leben ein anderes geworden.“

Hans Jochen Hoffmann – Arlington (Virginia, USA)

Hans Jochen Hoffmann
Hans Jochen Hoffmann 2025 in Italien · Foto: privat

von Martin Wulff

Vom Sauerland nach New York, aus der Konditoreistube ins US-Außenministerium: Der Lebensweg von Hans Jochen Hoffmann ist eine außergewöhnliche Geschichte – und der damalige St. Raphaels-Verein war mit seiner Beratung entscheidend für seinen Erfolg. Hoffmann wanderte in die USA aus und machte dort eine bemerkenswerte Karriere: vom High-School-Abschluss, College- und Master-Studium bis zum Ph.D. in Germanistik. Der Auswanderer arbeitete 20 Jahre lang im amerikanischen Außenministerium und leitete internationale Austauschprogramme. Nach der Pensionierung wurde Hans Jochen Hoffmann erst Segellehrer und später Farmer in Tennessee.

Hofmanns deutscher Führerschein von 1961

,,Damals keine Perspektive in Deutschland“

Hoffmann wurde 1938 in Arnsberg im Sauerland geboren. „Mach eine solide Ausbildung, sagten meine Eltern. Das tat ich und wurde Konditor, fand aber Anfang der 1960er Jahre in Deutschland keinen guten Job. Es schien mir ausweglos, ich sah keine Perspektive für mich“, erzählt Hans Jochen Hoffmann im Gespräch mit dem Raphaelswerk. „Ich war mein Leben lang neugierig und wollte Neues lernen.“ Also machte der junge Mann Abendkurse an der Volkshochschule und lernte Englisch. Aber – wo sollte er die Sprache anwenden?

So kam er an den Job als Konditor und Kochsmaat auf einem Frachtschiff. Zehn Monate war er unterwegs und die Route führte auch nach Amerika. „Mir wurde klar: Da möchte ich eines Tages hin, ein Jahr lang bleiben und mein Englisch verbessern“, erklärt der Sauerländer. Mit diesen Erfahrungen hoffte er auf bessere Möglichkeiten für seine berufliche Zukunft in Deutschland.

,,Ich bin dem Raphaelswerk auch nach über 60 Jahren noch sehr verbunden und dankbar.“

Wer ihm genau den Tipp gegeben hat, sich an den damaligen St. Raphaels-Verein zu wenden, weiß Hans Jochen Hoffmann nicht mehr genau. „Aber dass der Verein mein Leben einschneidend verändert hat, daran kann ich mich auch nach über 60 Jahren bis heute noch gut erinnern.“

Die nächstgelegene Beratungsstelle des St. Raphaels-Vereins gab es im nordrhein-westfälischen Paderborn. Dieser Besuch war die Wende für Hoffmann: „Durch die Beraterin wurde mir klar, dass ich möglicherweise mein Leben in den USA aufbauen kann.“ Also beantragte der junge Mann beim US-Konsulat eine Einreise-, Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis – die Greencard – und bekam sie tatsächlich. „Dass der St. Raphaels-Verein hinter mir stand, war eine unausgesprochene Empfehlung beim Konsulat“, so Hoffmann. „Das war ein unfassbares Gefühl.“ 

Hans Jochen Hoffmann im Gespräch mit Martin Wulff
Hoffmann 2026 im Gespräch mit Journalist Martin Wulff
Schwarz-Weiß-Foto des Raphaels-Heims in Hamburg mit Schildern und einer Gruppe von Menschen, die draußen auf dem Bürgersteig stehen. Darunter ist ein deutscher Text abgedruckt, der die Einrichtung beschreibt.
Raphaels-Heim in Hamburg – © Archiv Raphaelswerk

,,Ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten und wohin mich der neue Lebensabschnitt verschlagen würde.“

Die Ausreise hat der St. Raphaels-Verein damals über Hamburg organisiert. Nicht mit dem Schiff, wie viele Tausende Auswanderer vor ihm, sondern mit dem Flugzeug. Die Nacht davor verbrachte Hans Jochen Hoffmann im Raphaels-Heim. Hier konnten damals Auswanderer sicher und günstig die letzten Tage vor der Ausreise überbrücken. 

Die Unterkunft befand sich direkt im Gebäude des Generalsekretariats, wo es noch heute ein Hotel gibt – das Best Western Plus Hotel St. Raphael an der Hamburger Adenauerallee. 

New York – High School und ein Job im Plaza Hotel am Central Park

In der US-Metropole am Hudson River kümmerte sich damals die St. Raphael Society unter Leitung des Generalsekretärs Eberhard Erb darum, dass die deutschen Neuankömmlinge in New York in den ersten Tagen ein Dach über dem Kopf hatten und die nötigen Kontakte für den Start ins neue Leben bekamen. 

Am 30. Januar 1963 landete Hans Jochen Hoffmann in New York und lernte Eberhard Erb kennen. Erb kümmerte sich um den 23-Jährigen. Erb war es auch, der den jungen Deutschen mit Herbert Kramer zusammen brachte. Kramer machte später Karriere als Raketen- und Satellitenforscher für die Amerikaner. „Damals arbeitete er ehrenamtlich für die St. Raphael Society und lud mich zum Bier ein, das kostete 10 Cent. Kramer gab mir viele hilfreiche Ratschläge und Tipps“, erinnert sich Hoffmann.

Gerade einmal 14 Tage nach seiner Ankunft in den USA war er an der High-School eingeschrieben und bekam einen Job als Konditor im berühmten Plaza Hotel am Central Park. Dort übernachteten damals der deutsche Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß und Musikstars wie die Beatles, das war unglaublich beeindruckend für den jungen Deutschen.

Hoffmann auf Long Island, New York, ca. 1965 · Foto: privat
Postkarte Leo House, New York, ca. 1960er Jahre

,,Durch den St. Raphaels-Verein bekam ich so gute Kontakte, dass ich neben harter Arbeit auch viele Chancen ergreifen konnte.“

Der Job half Hans Jochen Hoffmann, tagsüber Geld zu verdienen und am Abend dann die Schule zu besuchen, um seinen High-School-Abschluss zu machen: „Zum Beispiel bekam ich durch die German American Society ein kleines Stipendium, durch das ich den Job als Konditor im Hotel an den Nagel hängen und so neben der Schule im Leo House arbeiten konnte.“ Das Leo House wurde 1889 vom St. Raphaels-Verein gegründet, als Herberge für deutsche katholische Auswanderer in New York – unterstützt und mitfinanziert von Papst Leo XIII. 

Später hatte die St. Raphael Society dann ein Büro im Leo House und Hans Jochen Hoffmann übernahm von Eberhard Erb den Posten als Generalsekretär. „Jetzt konnte ich etwas zurückgeben und kümmerte  mich um die deutschen Auswanderer, die über den St. Raphaels-Verein nach New York kamen – und das waren recht viele.“

,,Ohne das Raphaelswerk hätte ich die Zuversicht verloren.“

Nach dem High-School-Abschluss folgten College und Master-Studium bis zum Ph.D. in Germanistik, wobei Hoffmann dann auch seine erste Frau traf. Später bekamen sie eine Tochter. Der Sauerländer, jetzt mit seiner zweiten Frau Martha Lou verheiratet, hat 20 Jahre lang für das US-Außenministerium in Washington gearbeitet und internationale Austauschprogramme geleitet. Langweilig wurde ihm auch nach der Pensionierung nicht. Erst wurde Hans Jochen Hoffmann Segellehrer und später Farmer.

„Ich wäre damals komplett aufgeschmissen gewesen, ohne die Beratung durch das Raphaelswerk“, erzählt Hoffmann. „All diese Informationen und Tipps hätte ich ja nie irgendwo her bekommen. Und ein ganz großer Aspekt, den ich nie vergessen werde, war das Menschliche. Ich wurde mit meinen Ideen und Wünschen ernst genommen. Der Verein war so gut organisiert und vernetzt. Ohne das Raphaelswerk hätte ich nicht machen können, was ich später gemacht habe. Und in Deutschland hätte ich damals meinen Weg so auch nicht gehen können. Ich hätte nicht studieren können und ich hätte vermutlich auch nie meinen PhD (Dr.) machen können.“

Hans Jochen Hoffmann
Hoffmann vor seinem Büro im US-Außenministerium, ca. 1990 · Foto: privat
Hans Jochen Hoffmann und Ehefrau Martha Lou mit ihren Hunden Summit und Truffels
Hoffmann und Ehefrau Martha Lou 2025 auf ihrer Farm in Tennessee, USA · Foto: privat

,,Mut haben und menschlich sein“

Und was ist Hans Jochen Hoffmanns Rat an alle, die auswandern wollen?

„Verliert niemals den Mut, denn es wird kräftige Rückschläge geben, Schwierigkeiten. Ganz wichtig ist es, sich zu integrieren, wenn man ankommen will. Dazu gehört natürlich, die Sprache des jeweiligen Landes zu lernen. Guckt, welche Verbindungen euch weiterhelfen können, pflegt sie und nutzt den Erfahrungsaustausch mit anderen Auswanderern. Übernehmt zum Beispiel ein Ehrenamt, seid menschlich. Und vor allem – lasst euch vom Raphaelswerk beraten.“