Jahresbericht 2025

Vorwort

Da kann ja jeder kommen – Wir öffnen Türen

In diesem Jahr wollen wir mal über unsere Arbeit sprechen, denn Migration ist kein Randphänomen, sondern eine gelebte Realität in unserer globalisierten Welt. Seit Jahren gestalten wir diese Realität in unserer täglichen Arbeit aktiv und lösungsorientiert mit. Genau hier öffnen wir täglich Türen – für alle, die aus-, zurück- oder weiterwandern wollen oder müssen. Denn Migration ist kein Scheitern, sondern immer ein mutiger Schritt in eine oftmals ungewisse, aber vielleicht bessere Zukunft.

Damit Menschen diesen wichtigen Schritt bewusst und vorbereitet gehen können, versorgen wir sie seit Jahrzehnten mit validen Informationen und zeigen ihnen realistische Perspektiven auf. Viele unserer Klient:innen sind dabei nicht nur einmal unterwegs. Wir unterstützen sie darin, diese Übergänge sicher und selbstbestimmt zu gestalten, sodass Auswanderung, Weiterwanderung oder Rückkehr nicht als Notlösung, sondern als Chance erlebt wird. Besonders wichtig ist es uns bei einer Weiterwanderung oder Rückkehr, sie zu befähigen, ihr erlangtes Wissen und ihre Erfahrungen auch in ihrem nächsten Wanderungsschritt positiv einzusetzen – für sich selbst und die Gemeinschaft. Jede Rückkehr oder Weiterwanderung braucht daher auch immer eine Integrationskomponente.

Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht daher immer das Empowerment unserer Klient:innen durch Information. Denn Unwissenheit macht verletzlich. Fundierte Beratung und verlässliche Informationen sind das beste Gegenmittel. Wie eine Beraterin aus unserem Netzwerk es einmal sinngemäß formulierte: Wir beantworten Fragen, die noch nicht gestellt wurden – die aber beantwortet werden müssen, um informierte Entscheidungen zu treffen. Oder anders gesagt: Nur wenn Menschen das Rüstzeug an Wissen und Rechten mitbekommen, können sie ihre Rechte kennen und selbstbestimmt handeln.

Wir müssen Menschen dort abholen, wo sie sind. Deshalb haben wir im letzten Jahr gemeinsam mit Micado Migration und dem Caritasverband Augsburg das AMIF-Projekt DiReturn – digital streetworking in der Rückkehrberatung gestartet. Das Projekt bietet niedrigschwellige, digitale Informationen zur freiwilligen Rückkehr und verbindet Ratsuchende frühzeitig mit Fachberatung, damit sie nachhaltige Entscheidungen ohne Zeitdruck treffen können.

Die aktuellen politischen Debatten – von verschärften Asylgesetzen über Abschiebepraxis bis hin zur europäischen Grenzsicherung – zeigen: Es gibt noch viel zu tun. Doch statt uns entmutigen zu lassen, sehen wir jede Hürde als Ansporn, unsere Arbeit für eine faire und menschenwürdige Migration weiter zu intensivieren. Wir fordern Lösungen, die Menschenwürde mit praktischer Umsetzbarkeit verbinden. Denn Türen zu öffnen, bedeutet auch, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Menschen tatsächlich eintreten können.

All das gelingt nur gemeinsam. Dank der Unterstützung unserer Mitglieder, Partner:innen und Förder:innen konnten wir im vergangenen Jahr die Welt vielleicht ein kleines Stück offener machen. Unser herzlicher Dank gilt allen, die uns dabei begleitet haben. Mit Ihrer Hilfe konnten wir Türen öffnen – für eine Migration, die Chancen schafft und Menschen stärkt. Denn am Ende geht es genau darum: Türen zu öffnen und offen zu halten, damit Menschen ihren Weg gehen können.

Blaue handschriftliche Unterschrift.
Foto: © Raphaelswerk

Birgit Klaissle-Walk
Generalsekretärin
Raphaelswerk e. V.

Unsere Schwerpunktthemen

Das Raphaelswerk ist in sehr unterschiedlichen Lebenssituationen gefragt. Ob Deutsche, die ins Ausland aufbrechen oder von dort zurückkehren, oder Drittstaatsangehörige, die über Rückkehr oder Weiterwanderung nachdenken. Mehr zu diesen beiden Schwerpunkten erfahren Sie hier.

Große Geschichten aus dem Raphaelswerk

Das Raphaelswerk begleitet seit mehr als 150 Jahren Menschen in Bewegung. Manche dieser Geschichten reichen weit zurück und erinnern daran, warum unsere Arbeit bis heute wichtig ist. Die folgenden Geschichten liefern Einblicke in bedeutende Momente der Historie des Raphaelswerks.

Lebensretter in der Nazizeit
Raus aus Deutschland, um nicht zu sterben – in den 1930er Jahren half der St. Raphaels-Verein vielen Juden bei der Flucht.
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Vom Sauerland nach New York
Der Lebensweg von Hans Jochen Hoffmann ist eine außergewöhnliche Geschichte – und der damalige St. Raphaels-Verein war mit seiner Beratung entscheidend für seinen Erfolg.
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Das Raphaelswerk im Museum
Das Deutsche Auswandererhaus dokumentiert und zeigt die Geschichten vieler Menschen und Familien, die sich seitdem auf die Reise in ein neues Land und ein anderes Leben begeben haben.
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,,Ohne das Raphaelswerk wäre mein Leben ein anderes geworden.“

Das Raphaelswerk in der Öffentlichkeit

Auswandern, zurückkehren, neu ankommen – diese Themen bewegen viele Menschen und sind in Medien und Fachkreisen präsent wie selten zuvor. 2025 war das Raphaelswerk als gefragter Gesprächspartner und Impulsgeber sichtbar: in Hörfunk und Print, auf Fachveranstaltungen und in europäischen Netzwerken.

Dank und Ausblick

(Platzhalter) 2025 hat gezeigt, dass gute Beratung mehr ist als Informationsvermittlung. Sie befähigt Menschen, ihren nächsten Schritt selbstbestimmt zu gehen. Mit neuen digitalen Angeboten, gestärkten Netzwerken und einem wachsenden Engagement in der Öffentlichkeit haben wir unsere Arbeit weiterentwickelt. Das bleibt unser Anspruch. All das wäre nicht möglich ohne das große Engagement unserer Beraterinnen und Berater, die täglich mit Fachlichkeit, Empathie und Ausdauer für Ratsuchende da sind. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

Ebenso herzlich danken wir den Ratsuchenden, die uns ihr Vertrauen schenken, unseren Netzwerkpartnern in Deutschland und Europa sowie den Referentinnen und Referenten, die unsere Fortbildungen mit ihrem Wissen bereichern. Ein besonderer Dank für die kontinuierliche Förderung und Unterstützung geht an das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie an die Deutsche Bischofskonferenz.

Im Jahr 2025 leistete das Raphaelswerk einen aktiven Beitrag zur Sichtbarkeit der Caritas Jahreskampagne "Wir öffnen Türen". Dafür wurde unter anderem die Eingangstür entsprechend gestaltet.

Caritas-Kampagne

Die Jahreskampagne des Deutschen Caritasverbandes 2025 stand unter dem Motto „Wir öffnen Türen – Da kann ja jeder kommen“. Die offene Tür als Symbol christlicher Nächstenliebe steht für das, was Caritas-Einrichtungen täglich leisten: Unterstützung für Menschen in allen Lebenslagen, unabhängig von Herkunft, Religion oder Situation.

Für das Raphaelswerk traf das Kampagnenmotiv einen Nerv. Kaum ein Bild beschreibt die eigene Arbeit treffender. Wer aus-, zurück- oder weiterwandert, braucht Menschen und Einrichtungen, die Türen öffnen. Für Information, Orientierung und einen nächsten Schritt in eine selbstbestimmte Zukunft. Als Teil der Caritasfamilie teilt das Raphaelswerk den Anspruch, eine Gesellschaft mitzugestalten, in der Menschenwürde und Menschlichkeit unverhandelbar sind.

Weil das Motiv so gut passte, machten wir es an prominenter Stelle sichtbar. Unsere Eingangstür leuchtete als weithin sichtbarer Eyecatcher in Caritas-Rot. Und weil wir das Jahr in diesem Geist begonnen hatten, ließen wir es auch mit dem Türmotiv auf unserer Adventskarte ausklingen.

Corporate Design & Website

Ein einheitliches Erscheinungsbild schafft Wiedererkennung und stärkt die Identität einer Organisation nach innen wie außen. Im Berichtsjahr wurde das neue Corporate Design des Raphaelswerks konsequent in allen Arbeitsbereichen umgesetzt. Dazu gehören neue Beschilderungen, Visitenkarten und Flyer in den Beratungsstellen sowie Informationsmaterialien für Botschaften, Konsulate, Auslandsgemeinden und weitere Zielgruppen. So wird das Corporate Design zunehmend zu einem verbindenden Element, das national wie international wirkt.

Ein besonderes Highlight war die Veröffentlichung des dritten digitalen Jahresberichts. Dieser wurde erstmals vollständig im neuen Corporate Design gestaltet. Die moderne Aufbereitung stieß auf große Resonanz. Die weiteste Rückmeldung erreichte uns aus den USA.

Ebenfalls Anfang 2025 ging die neue Website unter neuem Erscheinungsbild an den Start. Sie verbindet aktuelle Fachinformationen mit der lebendigen Historie des Vereins und wird kontinuierlich ausgebaut. Gemeinsam bilden Website und Corporate Design ein stimmiges Gesamtbild und machen die Arbeit des Raphaelswerks auf den ersten Blick erkennbar.

2025 war die Expertise des Raphaelswerks in verschiedenen Printmedien gefragt: Ein Beitrag in der Neuen Westfälischen, ein Interview in der Zeitschrift Frau mit Herz sowie ein fachlicher Beitrag zum Buch Freiheit beginnt jetzt von Ulrike von Groeben machten die Beratungsarbeit einem breiten Publikum sichtbar.

Printmedien

2025 war die Expertise des Raphaelswerks in verschiedenen Printmedien gefragt, von der Tagespresse bis zum Ratgeber-Buch.

In der März-Ausgabe der Zeitschrift Frau mit Herz wurden Geschichten von Menschen vorgestellt, die den Schritt ins Ausland gewagt haben. Das Raphaelswerk wurde bezüglich seiner vorhandenen Expertise zu dem Thema herangezogen und beantwortete grundlegende Fragen rund ums Auswandern. Beginnend mit der Vorbereitung, über finanzielle Absicherung bis hin zu besonderen Überlegungen für Rentnerinnen und Rentner.

Im November erschien in der Neuen Westfälischen ein Artikel über die Gründe, warum Menschen Deutschland verlassen und oft wieder zurückkehren. Nina Treue ordnete darin ein, dass die meisten Auswanderer nicht unbedingt weg von Deutschland wollen, sondern vielmehr woanders hin und dass es den „typischen“ Auswanderer nicht gibt.

Bereits im Vorjahresbericht angekündigt, ist 2025 das Buch Freiheit beginnt jetzt! von Ulrike von der Groeben erschienen. Die ehemalige RTL-Sportexpertin setzt sich darin mit dem Übergang in den Ruhestand auseinander und spricht mit Expertinnen und Experten über die Frage: Was fange ich mit meiner neuen Freiheit an? Ab Seite 101 kommen die Kolleginnen Renate Albrecht und Nina Treue zu Wort. Mit praktischen Einblicken für alle, die ihren Ruhestand im Ausland verbringen möchten, und dem Hinweis, dass ein Urlaubsland und ein Alltagsland zwei sehr verschiedene Dinge sind.

Renate Albrecht und Nina Treue brachten ihre Expertise in eine Wochenserie von Radio Bremen (buten un binnen) zum Thema Auswanderung ein. Zudem waren Beraterinnen des Generalsekretariats im WDR 5 Wirtschaftsmagazin, im Deutschlandfunk-Verbrauchermagazin Marktplatz sowie beim Münchner Sender M94.5 zu Gast.

Radio & Fernsehen

2025 war das Raphaelswerk gefragter Gesprächspartner in Hörfunk und Fernsehen. Gleich mehrfach brachten Beraterinnen aus dem Generalsekretariat ihre Expertise in Sendungen ein, die Auswanderung und Leben im Ausland einem breiten Publikum nahebrachten.

Den Auftakt bildete eine Wochenserie der Fernsehsendung buten un binnen von Radio Bremen, die anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Deutschen Auswandererhauses in Bremerhaven das Thema Auswanderung aufgriff. Gleich zwei Beraterinnen des Generalsekretariats waren beteiligt. Renate Albrecht gab ein Interview, das in Hamburg aufgezeichnet wurde. Nina Treue war zum Wochenabschluss live im Gespräch mit Moderatorin Kirsten Rademacher zugeschaltet.

Im WDR 5 Wirtschaftsmagazin stand der Traum vom Leben im Süden im Mittelpunkt. Nina Treue diskutierte mit WDR-Autor Bernd Debus, wie längere Auslandsaufenthalte, etwa für den Ruhestand oder befristete Phasen, funktionieren und welche Fallstricke bei Aufenthaltsrecht und Krankenversicherung zu beachten sind.

Beim Sender M94.5 aus München gaben wir im Gespräch mit Redakteurin Juliana Köhler einen Überblick über aktuelle Trends im Themenfeld Auswanderung und Rückkehr: Welche Gründe bewegen Menschen zu einem Auslandsaufenthalt – und was bringt sie zurück?

Den Abschluss bildete ein Live-Auftritt im Verbrauchermagazin Marktplatz des Deutschlandfunks am 2. Oktober zum Thema „Ruhestand im Ausland“. Nina Treue war aus dem Generalsekretariat in Hamburg zugeschaltet und beantwortete gemeinsam mit Renten- und Steuerexperten Fragen von Moderator Henning Hübert und Hörerinnen und Hörern.

Drei Personen sitzen um einen Tisch in einem Büro und unterhalten sich über Migrationsfragen. Auf dem Tisch liegen Papiere und Notizbücher, im Hintergrund sind ein Figurenständer und eine Raphaelswerk-Anlaufstelle zu sehen.

Fachöffentlichkeit

Die Expertise des Raphaelswerks war 2025 in vielfältigen Zusammenhängen gefragt. National wie international, vor Fach- und allgemeinem Publikum.

Im digitalen Bereich standen zwei Auftritte im Zeichen von KI und sozialer Arbeit: Nina Treue stellte den Auswanderungslotsen bei InfoDay zum Thema „Generative AI für Developer“ im Juli sowie auf der software@work der WPS im November vor. Der Fokus lag auf die Frage, wie künstliche Intelligenz verantwortungsvoll im sozialen Beratungskontext eingesetzt werden kann.

Auf europäischer Ebene vertrat Nina Treue das Raphaelswerk beim EURES in Action-Event in Warschau, wo sie gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Mitgliedstaaten Deutschland im EURES-Netzwerk repräsentierte. Im Rahmen des SRC-Projekts von Caritas International Belgien wurde zudem ein Interview mit Larisa Schälike für eine Videoserie produziert, die zivilgesellschaftliche Beratungsarbeit in der Rückkehr- und Reintegrationsberatung dokumentiert.

Im September besuchte Generalsekretärin Birgit Klaissle-Walk den Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer und den Leiter der Hauptabteilung Seelsorge, Dr. Walter Zahner, um aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen in der Beratungsarbeit des Raphaelswerks vorzustellen.

Neben dieser Auswahl war das Raphaelswerk an weiteren Kontexten beteiligt und brachte seine Fachperspektive zu Aus-, Rück- und Weiterwanderung in Netzwerken, Gremien und Veranstaltungen ein.

Social Media

Seit Januar 2025 ist das Raphaelswerk auf LinkedIn aktiv. Im ersten Jahr wurden mehr als 50 eigene Beiträge veröffentlicht, die insgesamt rund 18.600 Impressionen erzielten. Zum Jahresende zählte der Kanal 128 Follower, 732 direkte Reaktionen und 39 Kommentare. Wir freuen uns über diesen erfolgreichen Auftakt. Für 2026 blicken wir optimistisch auf weitere Inhalte, Austausch und Kooperationen.

Zudem ist das Raphaelswerk auch weiterhin auf Instagram vertreten. Unter @auswanderungslotsen legen wir den Fokus auf Inhalte zum Thema Auswandern aus Deutschland sowie eine mögliche Rückkehr. Hier haben wir 2025 stolze 79 Beiträge veröffentlicht.